KI wird Chefsache – oft ohne Plan
Die Einführung von KI in deutschen KMU läuft selten nach Lehrbuch. Häufig landet das Thema direkt bei der Geschäftsleitung. Meist, weil es keine Digitalabteilung gibt und die Verantwortung einfach bei der Person hängen bleibt, die schon für alles Digitale zuständig ist. Die wenigsten Unternehmen haben ein klares KI-Budget oder einen eigenen KI-Verantwortlichen. Trotzdem wird von der Geschäftsleitung erwartet, dass sie KI einführt, Risiken einschätzt und Chancen nutzt. Die Rolle der Geschäftsleitung bei KI lässt sich so zusammenfassen: Sie wird zum KI-Steuermann, oft ohne Kompass.
Viele Chefs stehen damit vor typischen Problemen: fehlende Ressourcen, Unsicherheit bei der Tool-Auswahl, ungeklärte Haftung und kaum Zeit für Weiterbildung. Trotzdem muss die Führung den Kurs setzen – und das, während die Anforderungen durch neue Gesetze und Erwartungen steigen.
Pflichten und Haftung ab August 2026
Mit dem EU AI Act und dem deutschen KI-MIG-Gesetz verschärfen sich ab August 2026 die Anforderungen für Geschäftsleitungen deutlich. Wer KI im Unternehmen einsetzt, muss klar dokumentieren, wie die Systeme genutzt werden und wer dafür verantwortlich ist. Besonders relevant: Die neuen Transparenzpflichten verlangen, dass Chatbots als KI erkennbar sind und Deepfakes sowie KI-generierte Texte zur Information der Öffentlichkeit gekennzeichnet werden. Gleichzeitig muss das Unternehmen Maßnahmen ergreifen, damit Beschäftigte genügend Wissen im Umgang mit KI haben – ein Zertifikat ist dafür nicht vorgeschrieben, eine Dokumentation aber sinnvoll.
- Transparenzpflicht für KI-Inhalte (Kennzeichnung, Dokumentation)
- Nachweisliche KI-Kompetenz im Team
- Keine Pflicht für KI-Beauftragte, aber klare Zuweisung der Verantwortung
- Bei Verstößen drohen Bußgelder gegen das Unternehmen – intern bleibt die Geschäftsleitung für eine ordnungsgemäße Organisation verantwortlich
Die Bundesnetzagentur ist ab 2026 zentrale Anlaufstelle für Nachweise und Fragen. Wer KI einsetzt, muss auf Nachfrage zeigen können, wie die Kontrolle und Schulung organisiert ist.
Wie die KI-Rolle der Geschäftsleitung sich verändert
Im Vergleich zu früheren Digitalisierungsprojekten ist KI für die Geschäftsleitung kein Randthema mehr. KI wirkt stärker auf Geschäftsmodelle, Prozesse und Risiken. Die Geschäftsleitung muss heute nicht nur entscheiden, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie das Unternehmen und die Mitarbeitenden darauf vorbereitet. Dabei verschieben sich klassische Aufgaben:
- Strategie: KI-Strategie wird Teil der Unternehmensstrategie und ist Chefsache.
- Risikomanagement: Die Geschäftsleitung muss einschätzen, wo KI Risiken birgt – von Datenschutz bis Haftung.
- Kommunikation: Offenheit über KI-Nutzung nach innen und außen ist Pflicht.
- Personalentwicklung: Mitarbeitende brauchen gezielte Schulung, die Führung muss das anstoßen.
Die neue Rolle ist damit breiter: Von der Auswahl der Tools bis zur Kontrollinstanz und dem Nachweis gegenüber Behörden.
Praxisbeispiel: Ein mittelständischer Betrieb im KI-Alltag
Ein Unternehmen aus dem Maschinenbau (120 Mitarbeitende) setzt seit 2025 verschiedene KI-Tools ein: automatische Angebotskalkulation, Chatbots im Kundenservice und Textzusammenfassungen im Vertrieb. Die Geschäftsleitung hat weder eine eigene KI-Abteilung noch einen festen KI-Beauftragten. Stattdessen steuert der Geschäftsführer die Einführung mit einem kleinen Projektteam aus IT und Vertrieb – neben dem Tagesgeschäft.
- Transparenzpflicht: Bei jedem KI-generierten Angebot wird eine Kennzeichnung eingefügt.
- Kompetenznachweis: Interne Schulungen, Teilnahme an Webinaren, Dokumentation im Intranet.
- Risikomanagement: Jährliche Überprüfung der KI-Tools auf Datenschutz und Fehlerquote.
Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber die Verantwortung bleibt klar bei der Geschäftsleitung. Das Beispiel zeigt, wie eng KI-Fragen heute mit der Führungsrolle verknüpft sind – und wie pragmatisch Lösungen aussehen können.
Typische Herausforderungen und Lösungsansätze
Viele Geschäftsführer berichten von ähnlichen Stolpersteinen beim Thema KI: Unsicherheit bei rechtlichen Vorgaben, fehlende Budgets, Skepsis im Team und ständiger Zeitdruck. Die neue Rolle der Geschäftsleitung bei KI verlangt neue Prioritäten, aber kein Unternehmen muss alles auf einmal lösen.
- Rollen klären: Wer ist intern für KI-Entscheidungen zuständig?
- Transparenz schaffen: Offen über KI-Einsatz sprechen, intern wie extern.
- Kompetenzen sichtbar machen: Schulungen und Wissen dokumentieren.
- Strukturen schaffen: Auch ohne eigene KI-Abteilung klare Abläufe definieren.
- Erfahrung nutzen: Austausch mit anderen Unternehmen und Besuch von KI-Events (wie dem KI Summit Südwest) hilft.
Das Ziel: KI nicht als Zusatzaufgabe, sondern als festen Teil der Führungsaufgabe verstehen – Schritt für Schritt.
Häufige Fragen
Wer trägt in KMU ab 2026 die Verantwortung für KI?
Meist die Geschäftsleitung, da eigene KI-Abteilungen selten sind und die Pflicht klar zugeordnet wird.
Welche Nachweise braucht die Geschäftsleitung beim Einsatz von KI?
Dokumentation der KI-Nutzung, Kennzeichnung von KI-Inhalten und Nachweis über KI-Kompetenz im Team.
Muss ein KI-Beauftragter bestellt werden?
Nein, ein KI-Beauftragter ist laut Gesetz nicht Pflicht, aber eine klare Verantwortlichkeit muss intern geregelt sein.
Was bedeutet Transparenzpflicht bei KI-Inhalten?
Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben; Deepfakes und KI-generierte Texte zur Information der Öffentlichkeit müssen gekennzeichnet werden (Art. 50 EU AI Act). Eine Kennzeichnung aller KI-Inhalte schreibt das Gesetz nicht vor.
Wie kann die Geschäftsleitung KI-Kompetenz nachweisen?
Durch interne Schulungen, dokumentierte Weiterbildungen und nachvollziehbare Prozesse – aber ohne Pflichtzertifikat.
Wenn du wissen möchtest, wo KI in deinem Unternehmen sofort Zeit sparen kann, melde dich. Ich zeige dir an einem konkreten Beispiel, wie ein digitaler Mitarbeiter aussehen kann.
Gespräch vereinbaren →